„Die Menschen brauchen Musik“

Es braucht nicht immer die große Bühne, damit aus einem Konzert ein Highlight für Künstler und Publikum wird. Das beweist ganz aktuell der Geiger Daniel Hope mit seiner Sendung Hope@Home, die besonders in Coronazeiten einen Lichtblick am immer noch recht tristen Eventhorizont darstellt. Gestartet im eigenen Wohnzimmer, spielt er nun auch vor kleinem Publikum in ganz Deutschland. meinKölnBonn.de hat ihn bei seinem Konzert im Bonner Collegium Leoninum getroffen.

Juli 2020

(c) Daniel Hope

Die Alte Kirche im Collegium Leoninum in Bonn überzeugt mit ihrer herausragenden Akustik, als Daniel Hope sein Instrument, die Geige mit dem Namen „Ex-Lipiński“ aus der Werkstatt Guarneri del Gesùs von 1742, zu spielen beginnt. Was als Hope@Home-Konzertreihe aus seinem eigenen Wohnzimmer heraus begann, trägt der Künstler nun weiter zu besonderen Orten in ganz Deutschland. Gemeinsam mit unterschiedlichen Gästen spielt er vor kleinem Publikum – natürlich jederzeit unter der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Das Kamerateam ist dabei immer mit von der Partie. Denn: Hope@Home, produziert durch den Fernsehsender Arte, wird in der ganzen Welt gestreamt. meinKölnBonn.de hat den Geiger nach seinem Auftritt in Bonn mit dem Signum Saxophone Quartet getroffen.

Herr Hope, wie ist die Idee dazu entstanden, mit Hope@Home Konzerte aus Ihrem eigenen Wohnzimmer in die ganze Welt zu streamen?
Die Idee ist fast aus einem Zufall heraus entstanden. Kurz vor dem Shutdown, Ende März, war ich noch mit meinem Orchester in Deutschland auf Tour. Nach dem Konzert in Berlin habe ich mich mit dem Chefredakteur des Fernsehsenders Arte getroffen. Er hat mich gefragt, was ich machen würde, wenn es auch in Deutschland einen Lockdown geben würde. Aus Scherz habe ich gesagt: „Dann gebe ich aus meinem Wohnzimmer heraus Konzerte.“ 
Zwei Wochen später, als alle Veranstaltungen abgesagt wurden, rief er mich erneut an. Wir besprachen alles und setzten die Idee mit Hope@Home in die Tat um. Danach ging es auch direkt los: Schon am nächsten Tag kam das Kamerateam in meine Wohnung, wir machten eine Probesendung und sendeten alsdann täglich live aus meinem Wohnzimmer.

Dabei standen Sie nie allein vor der Kamera. Wie kam es dazu, dass Sie verschiedene Künstler zu sich eingeladen haben?
Ich fand es spannend, die Zeit vor der Kamera zu nutzen, um den Menschen etwas Neues zu bieten. Nach der zweiten Sendung habe ich angefangen, Freunde und Kollegen, die auch im künstlerischen Bereich tätig sind, anzurufen und sie in meine Sendung einzuladen. Glücklicherweise leben in Berlin viele fabelhafte Künstler, sodass sie problemlos zu mir kommen konnten. Übrigens nicht nur Musiker – ich habe Künstler aus verschiedenen Genres eingeladen, beispielsweise Max Raabe, Iris Berben oder Katja Riemann.

Zu welchen besonderen Begegnungen kam es dabei? 
Jede einzelne Aufzeichnung war für sich besonders und für mich eine Sternstunde. Aber natürlich gab es ganz besondere Treffen. Beispielsweise habe ich den Theaterregisseur Robert Wilson zufällig auf der Straße getroffen. Wir haben dann spontan beschlossen, dass er in meine Sendung kommt, und er hat Texte dafür geschrieben. Oder der deutsche Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur: Ihn habe ich vor der Kamera überhaupt erst kennengelernt. Ein ganz besonderes Erlebnis.

Wie fühlt es sich an, dass Sie gemeinsam mit Ihren Gästen nun wieder vor einem kleinen Publikum spielen dürfen?
Es fühlt sich wunderbar an, wieder einen Kontakt zum Livepublikum zu haben, auch wenn es natürlich reduzierter ist als normalerweise. Seit Anfang Juni dürfen wir wieder von anderen Orten als von meinem Wohnzimmer aus senden. Dafür haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht: Wir spielen an ganz ausgefallenen Orten, die optisch außergewöhnlich sind oder zu denen ich eine persönliche Verbindung habe.
Da ich in diesem Jahr der Präsident des Beethoven-Hauses bin und wir den 250. Geburtstag Beethovens feiern, war für mich direkt klar, dass wir in Bonn spielen. Die Alte Kirche im Collegium Leoninum ist eine wunderschöne Kulisse dafür.

Welche Verbindung haben Sie neben Ihrer Präsidentschaft des Bonner Beethoven-Hauses zu der Region Köln/Bonn?
Ich mag das Rheinland und die Menschen dort sehr gerne. Seit 2016 moderiere ich jeden Sonntag die Radiosendung „WDR 3 persönlich mit Daniel Hope“. Dabei bekomme ich mit, was die Menschen in der Region bewegt und beschäftigt. 

Ludwig van Beethoven, Sohn der Stadt Bonn, ist für Sie ein ganz besonderer Komponist. Warum?
Durch meine Arbeit am Beethoven-Haus habe ich mich viel mit ihm auseinandergesetzt, und er fasziniert mich als Persönlichkeit und Komponist. 
Ludwig van Beethoven steht für mich für Sehnsucht und Freiheitswillen. Das ist in der Verbindung mit dieser Zeit, in der wir nicht immer so frei sind, wie wir es uns wünschen, besonders spannend. Wenn man eines von Beethoven lernen kann, dann ist es, trotz aller Schwierigkeiten immer einen Weg zu finden, das Beste aus einer Situation zu machen. Und das ist der Gedanke, den wir mir Hope@Home verfolgen. Wir haben trotz des Lockdowns einen Weg gefunden, die Musik zu den Menschen zu bringen. Meiner Meinung nach ist Beethoven als Mensch für uns alle – gerade jetzt – eine Inspiration.

©Tibor Bozi (Deutsche Grammophon)

 

 

"Ludwig van Beethoven ist eine Inspiration. Wir können alle etwas von ihm lernen."

                          Daniel Hope

Mit Hope@Home zeigen Sie also, dass die Musik immer einen Weg in das Leben der Menschen findet? 
Ich denke, dass Musik die Menschen immer erreichen kann. Sie muss nur ihren Weg zu ihnen finden. Bei Hope@Home haben wir einen unglaublichen Zuspruch erlebt. Weltweit haben sechs Millionen Menschen unsere Sendung geschaut. Wir erhalten täglich Nachrichten von Zuschauern aus Indien, Amerika oder China. Man merkt wirklich, dass Menschen die Musik brauchen, und genau das schreiben sie uns auch. Mit diesem Format haben wir einen neuen Weg gefunden, die Musik zu den Menschen zu bringen. 

Zum Abschluss: Welches Stück von Ludwig van Beethoven ist Ihr Lieblingsstück?
Das ist schwierig zu sagen. Als Geiger natürlich sein Violinkonzert. Aber eigentlich ist seine gesamte Kammermusik ein gigantisches Lebenswerk.

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