Hennes – der berühmteste Geißbock der Welt 

Die aktuelle Fußballsaison wurde wegen der Corona-Pandemie unterbrochen. Für alle, die den 1. FC Köln jetzt vermissen, stellt meinKölnBonn.de einen ganz besonderen Liebling der FC-Fans genauer vor: Geißbock Hennes. Wie kam der FC überhaupt zu seinem Maskottchen, und was macht Hennes, wenn er nicht im Stadion ist?

April 2020

1. FC Köln/Thomas Fähnrich

Der letzte Heimspieltag beim 1. FC Köln ist nun schon einige Wochen her. Eine ungewohnte Situation für Ingo Reipka. Normalweise beginnen die regelmäßigen Spiele im Station des 1. FC Köln zunächst am Geißbockheim. Dort macht er das E-Auto, das hinten einen kleinen Stall hat, fertig und fährt in den Kölner Zoo. Dort lebt das Maskottchen des Bundesligisten – Geißbock Hennes. Seit zwölf Jahren begleitet Reipka den jeweils amtierenden Geißbock zu den Heimspielen und Veranstaltungen des 1. FC Köln – seit August 2019 hört dieser mal mehr und mal weniger gut auf den Namen Hennes IX. Als Betreuer holt Reipka vor den Heimspielen des 1. FC Köln Hennes ab, begleitet ihn ins Stadion und bringt ihn anschließend wieder nach Hause in das „Kleine Geißbockheim“ auf dem Clemenshof im Kölner Zoo. Damit nichts schiefgeht, weicht er dem Bock aus der Rasse Bunte Deutsche Edelziege nicht von der Seite. Die beiden sind ein eingespieltes Team. „Ich habe bisher drei Geißböcke begleitet. Die Tiere wussten immer sofort, dass ich ihr Chef bin, und haben mir vertraut“, erzählt der 55-Jährige.

Als Betreuer des Vereinsmaskottchens hat Reipka schon viel erlebt. Hennes VIII. büxte während eines Heimspiels des 1. FC Köln im Stadion aus. Im März 2014 öffnete der Bock zufällig den Karabinerhaken seiner Leine, als er sich mit seinen Hörnern am Hals kratzte. "Ich stand, wie immer, mit ihm am Spielfeldrand, aber plötzlich war Hennes nicht mehr an meiner Leine. Er stand ein paar Meter entfernt auf dem Spielfeld und schaute mich an. Fünf Minuten lang, die mir wie 15 Minuten vorkamen, hat der mit mir Fangen gespielt – zur Freude der Südkurve", erinnert sich Reipka. Elf Jahre brachte Hennes VIII. Freude ins Müngersdorfer Stadion – seit Sommer 2019 ist er in Rente und überließ seinem Nachfolger das (Spiel-)Feld.

Die Hennes-Historie

Die gemeinsame Geschichte des Geißbocks und des 1. FC Köln reicht weiter zurück als die Amtszeit von Hennes VIII. 1950, zwei Jahre nach der Gründung des Vereins, schenkte die Kölner Zirkusdirektorin Carola Williams dem Verein auf einer Karnevalssitzung einen kleinen Geißbock, da dem Verein ein Maskottchen fehlte. Was als Scherz gemeint war, diente als Ursprung des Spitznamens der Kölner Fußballmannschaft, den Geißböcken. In den folgenden Jahren hielt das neue Maskottchen immer mehr Einzug in den Verein und wurde schließlich sogar Teil des Vereinslogos. 

Und auch der "echte" Geißbock wurde Kennzeichen des Vereins. Seinen Namen Hennes erhielt er vom damaligen Bundesligatrainer des 1. FC Köln, dem legendären Hennes Weisweiler. Zu Hause war der erste Bock zunächst auf dem Anwesen seines Betreuers Wilhelm Siepen in der Marsiliusstraße in Köln-Sülz. Nachdem dieser 1959 sein Ehrenamt aus Altersgründen abgab, zog das Vereinstier auf den Hof des Landwirts Peter Filz in Müngersdorf. 1966 starb Hennes I. Sein Nachfolger, Hennes II., zog in Begleitung des neuen Betreuers Günter Neumann direkt auf das Gelände des Geißbockheims.

1. FC Köln/Thomas Fähnrich

Ingo Reipka mit Hennes IX.

Liebling der FC-Fans

Hennes II. war der einzige in der langen Riege der Geißböcke, der in direkter Nähe zum Stadion lebte. Ab 1970 wurde der Hof von Wilhelm "Bauer" Schäfer in Widdersdorf das Zuhause des kölschen Vereinsbocks. Schäfer begleitete die Böcke Hennes III. bis VII. bis zu seinem Tod im Jahr 2006. Als Hennes-Betreuer folgte ihm Ingo Reipka aus Oedekoven.

Während die bisherigen Geißböcke ohne die Mitsprache der Fans ausgewählt wurden, sollte die Wahl von Hennes VIII. etwas Besonderes sein. Die Fans des 1. FC Köln konnten 2008 online für ihren Favoriten abstimmen. Es gewann schließlich der "Ziegenbock ohne Namen", der zu Hennes VIII. gekürt wurde und wie seine Vorgänger auf den Hof der Familie Schäfer zog.

Im August 2014 stand ein erneuter Umzug an, Hennes VIII. zog in das "Kleine Geißbockheim" auf dem Clemenshof im Kölner Zoo. Durch seinen zentralen Wohnort erreichte der achte Geißbock in der Hennes-Ahnenreihe eine bisher nicht da gewesene Popularität und wurde regelmäßig von den FC-Fans und -Spielern besucht. Nach elf Jahren Amtszeit verabschiedete sich Hennes VIII. wegen Arthrose in den wohlverdienten Ruhestand, den er im Kölner Zoo verbringt.

Der neue und aktuelle Geißbock des 1. FC Köln, Hennes IX., lebte bereits im Kölner Zoo und wurde am 17. August 2019 beim ersten Saisonspiel gegen den Vfl Wolfsburg den Fans präsentiert. Und er hat schon geschafft, was kein FC-Vereinstier vor ihm geschafft hat: Erstmalig in der Historie des 1. FC Köln ist das Maskottchen Hennes Vater geworden. Seine Partnerin Ilse, die mit ihm im "kleinen Geißbockheim" lebt, hat Ende März zwei gesunde weibliche Zicklein auf die Welt gebracht. Seither erkundigen Marie und Luise - in Erinnerung an die kürzlich verstorbene Karnevalslegende Marie-Luise Nikuta - das "kleine Geißbockheim". Über die Namen der Zicklein hatten FC-Fans vorher abgestimmt.

Der Verein und die Fans des 1.FC Köln freuen sich darauf, die Sprösslinge ihres Maskottchens besuchen zu können, wenn der Zoo wieder öffnet. Die Fans vermissen in der aktuellen Situation die Spiele ihres Vereines und auch Hennes, denn die Liebe der Fans zu ihrem Geißbock passt einfach zu dem Motto des Vereins "Spürbar anders".

Drei Fragen an den Hennes-Betreuer Ingo Reipka

1. Herr Reipka, wie sind Sie der Betreuer von Hennes geworden? 
Seit 2002 war ich der Fahrer von Hennes vorherigem Betreuer, Willi Schäfer. Dadurch hatte ich bereits viel Kontakt zu dem Tier. Nach dem Tod von Herrn Schäfer wurde ich vom 1. FC Köln gefragt, ob ich diesen Job übernehmen möchte – das war naheliegend, dass ich das mache.

2. Welche Eigenschaften muss ein Hennes optisch und charakterlich mitbringen? 
Optisch sind bei Hennes die Hörner, der Ziegenbart und die braune Fellfarbe besonders wichtig. Charakterlich ist es wichtig, dass der Bock ruhig ist. Natürlich kann man im Vorfeld nicht wissen, wie er auf die Situation im Stadion reagiert, aber bisher haben sich alle Geißböcke innerhalb der ersten Spiele an die Situation gewöhnt. Wichtig ist, dass ich ein Vertrauensverhältnis zu Hennes habe. Wenn ich da bin, weiß er, dass nichts passieren kann.

3. Was ist seine Leibspeise? 
Am liebsten isst Hennes Karotten, Äpfel und Kohlrabiblätter. Die bekommt er auch, wenn wir ins Stadion fahren.

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