Wie die Corona-Pandemie den Immobilienmarkt beeinflusst

Wohnungsbesichtigungen mit der Drohne, Finanzierung online - aber bisher keine Auswirkungen auf die Preise in Köln oder Bonn: Die Corona-Pandemie hinterlässt zwar nahezu überall ihre Spuren. Doch nicht alles ist schlecht, was durch die Verbreitung des Virus alltäglich wird. Ein Überblick.

August 2020

GettyImages/Catherine Falls Commercial

„Noch ist es zu früh, um die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie auf die Immobilienpreise in Köln und Bonn abschätzen zu können“, sagt Michael Westerhove, Geschäftsführer von S Immobilienpartner, einer Tochter der Sparkasse KölnBonn. Kein Wunder: Die Pandemie hat Deutschland im März erreicht. Die Immobilienkäufe, die seither realisiert wurden, sind größtenteils vor Corona oder zu Beginn der Pandemie in die Wege geleitet worden. „Dementsprechend kann das Virus die Preise noch nicht beeinflusst haben. Das kann aber noch kommen“, ergänzt er.

Was Käufer in Bonn und Köln wissen sollten

Allerdings ist er sich auch sicher: „Die Veedel in Bonn und Köln, in denen jetzt hohe Preise erzielt werden, werden nicht günstiger." Ehrenfeld beispielsweise habe bei Neubauten in der Zwischenzeit einen Quadratmeterpreis von 6000 bis 6500 Euro. Überhaupt solle niemand auf Schnäppchen in Köln oder Bonn hoffen, so der Immobilienexperte, denn: „Die wird es eher nicht geben“. Speziell die Neubauprojekte in beiden Städten seien solide finanziert, die Märkte haben sich schnell vom Corona-Schock erholt, sinkende Preise seien darum bei neuen Bauprojekten zunächst nicht zu erwarten.

„Trotzdem“, so Westerhove, „sollte man einen zweiten Blick auf den Markt werfen, bevor man sich in Bonn oder Köln für ein Objekt entscheidet“. Denn die Preisentwicklung sowohl in den Stadtteilen als auch in den beiden Städten laufe nicht vergleichbar. In Köln müsse man drei Lagen unterscheiden: „Da sind zuerst beispielsweise Stadtteile wie Nippes, Sülz oder Lindenthal. Hier wurden vor 15 Jahren schon hohe Preise erzielt - das bleibt auch so. Zweitens gibt es Trendlagen wie Ehrenfeld, die fast schon an ihr preisliches Limit stoßen. Und dann gibt es die Lagen, die noch mitten in der Entwicklung stecken – und die sind natürlich sehr spannend", weiß Westerhove. Er empfiehlt Mülheim, Kalk und Deutz ganz genau im Blick zu behalten, wenn man in nächster Zeit eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchte. 

Der Immobilienmarkt in Bonn sei im Vergleich zu Köln grundsätzlich deutlich ruhiger: „Wir haben dort nur ungefähr ein Drittel der Kölner Transaktionsmenge“, sagt er. Die Verkaufszeiten seien überdies auch länger – und dort wisse man noch nicht so recht, welcher Stadtteil als nächstes zum Trendviertel wird. „Sicher ist aber auch in Bonn: Gute Lagen bleiben gute Lagen."

Ein bisschen Abkühlung würde dem Markt nicht schaden. Wir haben derzeit Besichtigungen, für die sich 50 Interessenten angemeldet haben – am Ende kommen tatsächlich aber sogar rund 100 Personen.

Michael Westerhove, Geschäftsführer der S Immoblienpartner GmbH

Wie sich der Mietermarkt entwickeln könnte

Anders als beim Käufer- und Verkäufermarkt könnte der Mietermarkt in Köln und Bonn mittelfristig unter Druck kommen. „Letztlich sind viele Branchen von der Pandemie betroffen“, so Michael Westerhove, „wer in der Veranstaltungsbranche arbeitet, der Gastronomie oder Hotellerie, im Tourismus, in der Autoindustrie oder an einem Flughafen könnte durch Kurzarbeit oder sogar betriebsbedingte Kündigung vor einem finanziellen Engpass stehen. Ob man dann weiterhin in der Stadt die teure Miete zahlt oder lieber in den günstigeren Speckgürtel zieht und pendelt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen."

Auch der Gewerbeimmobilienmarkt könnte den Wohnraummietenmarkt beeinflussen: „Erstens könnte die Zahl der Insolvenzen im Herbst zunehmen. Zweitens wird sich vermutlich Homeoffice langfristig durchsetzen“, meint der Immobilienexperte. Dadurch bekämen die Büros einer Firma eine andere Funktion. „Sie werden eher eine Art Treffpunkt für die Mitarbeiter zum Austausch sein“, sagt Westerhove. „Das heißt, es werden andere Gewerbeimmobilien gebraucht als bisher“. Und das könnte in den kommenden Jahren dazu führen, dass Büroräume an den Innenstadträndern zu Wohnraum umgebaut werden. „So, wie es zum Beispiel entlang der Inneren Kanalstraße passiert.“ 

Ein bisschen Abkühlung würde dem Markt nicht schaden. Wir haben derzeit Besichtigungen, für die sich 50 Interessenten angemeldet haben – am Ende kommen tatsächlich aber sogar rund 100 Personen“, sagt Michael Westerhove. Mehr Mietwohnraum nimmt den Druck aus dem Markt. So kann es sein, dass Wohnungen und Häuser dann nicht mehr zu Höchstpreisen vermietet werden können. 

Der Grund dafür ist ganz simpel: „Die Besichtigungsdaten werden privat häufig weitergegeben, weil man anderen, die auch suchen, etwas Gutes tun will“, so der Immobilienexperte weiter. Aber gerade in Corona-Zeiten, in denen Abstand gehalten werden soll, sind solche Menschenansammlungen natürlich schwierig.

Digitalisierungsschub durch Corona

Auch darum würde sich Michael Westerhove freuen, wenn der Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie anhalten würde – sowohl für den Mieter- als auch für den Käufermarkt: „Bis Anfang des Jahres waren Immobilienbesichtigungen per Drohne nicht besonders beliebt. Heute finden das viele praktisch“, sagt er. Kein Wunder: Die Interessenten sparen die Kosten und die Zeit, die man üblicherweise für eine Besichtigung einplanen muss. „Außerdem ist es für uns bei einem größeren Interesse an digitalen Besichtigungen auch vertretbarer, im Vorfeld einen Roboter mit einer 3D-Kamera durch die Immobilie fahren zu lassen. Schließlich wird das Video häufiger als früher angesehen.“

Hat sich dann ein Käufer für eine Immobilie gefunden, geht der Prozess übrigens digital weiter, denn auch die Finanzierung lässt sich heute fast komplett online abschließen. „Nachdem immer mehr Menschen bemerken, dass sie auch in der digitalen Filiale Kontakt zu echten Menschen haben, ist einiges attraktiv geworden, was noch vor einigen Monaten für viele unvorstellbar war“, so der Fachmann. Noch nicht digital lösbar ist allerdings der anschließende Termin beim Notar: Er findet weiterhin vor Ort statt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Sparkasse Newsletter

Unser Newsletter

Erhalten Sie mit unserem Newsletter einmal im Monat
spannende Informationen und hilfreiche Tipps.

Hier abonnieren

Magazin durchsuchen...

Unser monatlicher Newsletter

Hier abonnieren