Wenn Immobilienbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten geraten

Der Immobilienboom ist ungebrochen. Gerade in Köln und Bonn ist das Angebot knapp – und die Nachfrage enorm hoch. Doch bei all dem Immobilienhype ist auch Vorsicht geboten: Manche Immobilienkäufer überschätzen ihre langfristigen finanziellen Möglichkeiten und auch Eigentümer geraten in finanzielle Schwierigkeiten, weil sich ihre Lebenssituation ändert. In beiden Fällen kann die Immobilie auf dem Spiel stehen. Unser Autor Lothar Schmitz sprach dazu mit Gundolf Meyer, Schuldnerberater mit Schwerpunkt Immobilienfinanzierung und Insolvenzberatung bei der Schuldnerhilfe Köln gGmbH.

April 2020

Herr Meyer, Sie beraten quasi täglich Menschen mit Geldsorgen und Schulden. Wer eine Immobilie besitzt, gehört dann eher nicht zu Ihren Kunden, oder?
Immobilienbesitz schützt nicht vor finanziellen Problemen. 2019 hatten wir insgesamt 4.800 Beratungsfälle – darunter waren nicht wenige Fälle, in denen auf der Habenseite eine Immobilie stand. In ungefähr jedem dritten Fall ist eine Trennung oder Scheidung der Auslöser. Diese Menschen kommen zum Beispiel, um zu erfahren, wie man das Haus, wenn es beiden gehört, halten oder am besten verkaufen kann und wie man mit den oft noch vorhandenen Restschulden umgeht. Ein weiteres Drittel dieser Beratungsfälle sind Menschen, die plötzlich erhebliche Einkommenseinbußen erfahren, etwa durch Arbeitslosigkeit oder weil sie wegen Familienzuwachs nur noch Teilzeit arbeiten. Dann fehlt plötzlich das Geld, um die Immobilienschulden weiter zu tilgen.

Gibt es noch andere Beispiele?
Ja, wir beobachten oft auch, dass zwar die Finanzierung der eigenen Immobilie auf einer soliden Basis steht, die betreffenden Personen aber durch ihr Konsumverhalten Schulden aufgehäuft haben. Plötzlich geraten dann die weiteren Zins- und Tilgungsraten fürs Haus oder die Wohnung ins Schwanken. Auch Rentner mit Immobilienbesitz können in finanzielle Schwierigkeiten geraten: Sie haben zwar ein Haus als Altersvorsorge, aber was, wenn die monatliche Rente zu gering ist, um den laufenden Lebensunterhalt inklusive Nebenkosten fürs Haus zu bestreiten?

Gundolf Meyer, Schuldnerberater bei der Schuldnerhilfe Köln gGmbH.

Welche Entwicklungen kann ich denn vermeiden?
Zu Beginn des Immobilienerwerbs sollte stets die Frage stehen: Wie viel Haus kann ich mir eigentlich wirklich leisten? Auch wenn sich die Zukunft nicht vorhersehen lässt: Man sollte dringend gewissenhaft und ehrlich darüber nachdenken, wie hoch die Zins- und Tilgungssumme sein sollte, die ich mir langfristig maximal leisten kann. Daraus ergibt sich dann, wie teuer das Haus eigentlich maximal sein darf, um es mir wirklich leisten zu können. Das alles ist auch Gegenstand einer guten Bankberatung.

Sollte eine solche Selbstprüfung nicht selbstverständlich sein?
Ja, ist sie aber nicht. Viele kennen ihre realen finanziellen Belastungen gar nicht so genau oder können sie mit Blick auf mögliche künftige Belastungen nicht richtig einschätzen. Manche vergessen beim Hauskauf auch die Familienplanung: 4.000 Euro monatliches Haushaltseinkommen sind für zwei Erwachsene ein ganz anderer Betrag als für eine Familie mit zwei oder mehr Kindern. Wenn dann auch noch die Frau oder der Mann oder beide auf Teilzeit gehen, wird die finanzielle Situation noch ungünstiger. Das bedenken viele nicht, wenn sie den Traum von der eigenen Immobilie in die Tat umsetzen wollen. Aber nochmal: In einer guten Finanzierungsberatung bei der Hausbank würde das alles thematisiert.

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