Hausbau in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie verändert die Welt. In manchen Branchen ging das ganz schnell – in anderen wird es etwas länger dauern, bis wir merken, dass sich Dinge verändern. Dazu gehört die Baubranche. Ein Gespräch mit Michael Westerhove, Geschäftsführer von S Immobilienpartner, einer Tochter der Sparkasse KölnBonn.

September 2020

Stocksy/JAVIER DÍEZ

Herr Westerhove, die Transportbranche leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie, ebenso die Gastronomie oder die Veranstaltungsbranche. Wie sieht es eigentlich bei den Bauunternehmen aus?
Gut sieht es dort aus! Es gab kurzzeitig die Sorge, dass der Sand knapp werden würde. Der wird ja bei jedem Immobilienprojekt gebraucht. Aber: Die Lieferketten laufen, es gibt auch keinen Engpass bei Baugeräten, es wird gebaut. Ganz sicher vor Corona sind jedoch auch die Bauunternehmen nicht: Neulich ging durch die Presse, dass sich auf einer Baustelle am Frankfurter Flughafen einige Mitarbeiter infiziert haben.

Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen: Gibt es denn die Sicherheit, dass das künftig so bleiben wird?
Tja. Bis Anfang des Jahres hat sich vermutlich niemand Gedanken darüber gemacht, dass es einmal zu Störungen bei der Rohstoffversorgung oder ähnlichem auf dem Bau kommen könnte. Ich halte es für denkbar, dass Bauherren künftig entsprechende Versicherungen abschließen und Pandemieklauseln in die Verträge schreiben lassen können. Bisher ist es jedoch eher so, dass es zu Verzögerungen am Bauvorhaben kommt, weil der Bauherr finanzielle Probleme hat, beispielsweise, weil er in Kurzarbeit ist, entlassen wurde oder als Selbstständiger Honorarausfall hat. Allerdings sehen wir erfreulicherweise auf allen Seiten sehr viel Verständnis und Kulanz, und nicht, dass sich eine Seite aufgrund der Probleme der anderen bereichern möchte. Es gibt sehr viel Kompromissbereitschaft.

Was wäre denn, wenn ein Bauunternehmer aus welchen Gründen auch immer seine Termine nicht halten kann?
Das passiert natürlich immer wieder einmal, dazu braucht es nicht erst eine Corona-Pandemie. Allerdings haben der Bauherr und der Unternehmer ja einen Vertrag geschlossen. Kommt es zu einer Verzögerung, wird diese bewertet werden müssen: Ist es höhere Gewalt? Oder hat der Bauunternehmer die Verzögerung zu verantworten? Gegebenenfalls haftet der Bauunternehmer: Kann der Einzugstermin nicht gehalten werden, und hat der Bauherr seine bisherige Wohnung schon verkauft oder gekündigt, kann er schließlich nicht auf der Straße schlafen. Dann muss man eine Lösung finden. Es ist durchaus möglich, dass sich auch Bauunternehmer künftig vertraglich absichern können für den Fall, dass ein Bauprojekt durch eine Pandemie gestoppt wird.

Man hört ja immer wieder von unseriösen Bauunternehmen ...
Die gibt es in der Tat. Unser Tipp: Nicht den preiswertesten nehmen, auf einen Meisterbetrieb setzen, vorher Referenzen abfragen. Beim Hausbau ist das eigentlich ganz praktisch: Man sieht ja das Endprodukt. Gerade bei uns im Rheinland kann man auch einmal bei Fremden klingeln und fragen, wer die Arbeit ausgeführt hat. Außerdem sollte man sich natürlich im Bekanntenkreis umhören. Ganz wichtig ist vor allem, dass man früh genug mit der Planung beginnt. Gute Handwerker haben volle Auftragsbücher, da muss man unter Umständen Monate lang warten, bis man an der Reihe ist. Auch sollte man berücksichtigen, dass es derzeit üblich ist, für Angebote zu bezahlen.

Michael Westerhove, Geschäftsführer von
S Immobilienpartner

© Mareen Fischinger

 

 

"Ich gehe davon aus, dass es in Wohnanlagen künftig mehr Gemeinschaftsflächen geben wird."

Wie sieht es denn auf der anderen Seite aus? Also: Haben Kunden durch die Corona-Pandemie plötzlich andere Ansprüche an ihre Immobilien als noch Anfang des Jahres?
Das wird sich in den kommenden zwei Jahren zeigen. Derzeit werden ja noch Projekte abgearbeitet, die schon vor Corona angestoßen wurden. So könnte der Bauherr beispielsweise Co-Working-Spaces einplanen. Die Bewohner oder auch Nachbarn aus den umliegenden Häusern könnten sich dort dann einen Arbeitsplatz buchen, wenn sie Homeoffice machen möchten. Im Co-Working-Space ist dann schon ein Beamer aufgestellt oder es gibt Silent Boxen für die, die bei der Arbeit nicht gestört werden wollen oder vertrauliche Gespräche führen müssen. Buchen und bezahlen kann man diese Arbeitsplätze zum Beispiel über eine App bei der Hausverwaltung.

Vorstellbar ist auch, dass im Wohnungsbau größere Balkone künftig wichtiger sein werden. Und dass die Grundrisse von Häusern und Wohnungen nicht mehr nur Kinderzimmer einplanen, sondern auch den Platz für ein Homeoffice mit entsprechend vielen Steckdosen.

Das klingt sinnvoll. Ist es realistisch?
Durchaus. Wer vor zwei Jahren Stellplätze in Wohnanlagen mit Anschluss fürs E-Auto eingeplant hat, wurde noch leicht belächelt. Heute ist dies ein klarer Wettbewerbsvorteil. Wenn man das weiterdenkt und wieder zu Corona zurückkommt: Die Zahl der verkauften E-Bikes ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, und die Pandemie hat einen regelrechten Run auf Räder ausgelöst. Hinzu kommt eventuell die Möglichkeit, vom Arbeitgeber ein Dienstrad gestellt zu bekommen. Aber wohin mit dem Akku? Ich kann mir vorstellen, dass Stellplätze künftig schon mit entsprechenden Boxen zum Laden und zum sicheren Einschließen der Akkus ausgerüstet sind, und dass es Möglichkeiten gibt, die Räder dort anzuschließen. Das bringt ja möglicherweise auch einen Vorteil bei der Versicherung. Wenn das Bauherren heute merkwürdig vorkommt, rate ich ihnen, sich in den Kunden hinein zu versetzen. Was zählt, ist sein Wunsch. Und falls sich die Ansprüche durch die Corona-Krise verändern werden, muss die Wirtschaft darauf reagieren.

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