Nachhaltige Immobilien: Auch auf die inneren Werte kommt‘s an

Nachhaltiges Bauen und Wohnen liegt voll im Trend. Immer öfter ist in diesem Zusammenhang von Green Buildings die Rede. Was versteht man darunter und wo sind solche Gebäude in Köln und Bonn zu finden?

Februar 2020

Credit: Stocksy/IMAGE SUPPLY CO

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen ein Gebäude als Green Building bezeichnet werden durfte, nur weil es gut gedämmt war und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hatte. „Natürlich versteht man unter einem Green Building noch immer ein ökologisches Gebäude. Aber es spielen auch andere Aspekte eine große Rolle“, erklärt Michaela Lambertz. Sie ist Professorin und Bauingenieurin am Institut für Technische Gebäudeausrüstung an der Technischen Hochschule Köln. Ihr Lehrgebiet: Green Building Engineering.

„Bei einem Green Building werden nämlich auch immer die sozialen und ökonomischen Aspekte bedacht. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt.“

Michaela Lambertz, Professorin und Bauingenieurin am Institut für Technische Gebäudeausrüstung, Technischen Hochschule Köln

Konkret geht es also nicht nur darum, dass eine Immobilie Energie und Wasser spart, sondern auch um die Frage des Komforts für diejenigen, die dort arbeiten und leben. „Barrierefreiheit spielt eine wichtige Rolle, die Akustik, die Luftqualität, wie flexibel ein Gebäude nutzbar ist“, zählt Michaela Lambertz einige Beispiele auf. „Oder kurz zusammengefasst: Es geht um die Nachhaltigkeit“.

Green Building und Wirtschaftlichkeit

Und genau darum schaut man beim Green Building auch aufs Geld. „Ein Green Building muss einerseits wertstabil sein, andererseits marktfähig“, sagt Michaela Lambertz. Es soll also auch in einigen Jahren beim Verkauf noch einen guten Erlös bringen. Aber es darf nicht zu teuer sein, weil man sonst beispielsweise keine Mieter findet. „Und dann wäre der Ressourcenverbrauch für den Bau unangemessen hoch gewesen“, so die Expertin. Letztlich bedeutet das: Green Buildings können durchaus teurer sein als andere Gebäude, weil unter anderem sehr auf die Qualität der Materialien geachtet wird. Dafür enthält die Immobilie keine Schadstoffe und wird länger genutzt werden als ein herkömmliches Gebäude.

Kurz erklärt

Wer ökologisch und energiesparend renovieren oder bauen will, stößt bei der Vorbereitung auf viele Begriffe, die an ein nachhaltiges Haus denken lassen. Allerdings meinen nicht alle dasselbe:

Bio- oder Ökohaus: Der Bauherr setzt auf ökologische Baustoffe wie Holz. Er achtet außerdem auf schadstoffarme Materialien und darauf, dass das Gebäude wenig Energie verbraucht. Allerdings sind beide Begriffe nicht geschützt. Darum sollte man sich genau ansehen, was man kauft.

Effizienzhaus Plus: Diese Gebäude sind im Prinzip Kleinkraftwerke, die über das Jahr gesehen mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Auf der Internetseite des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat erfahren Sie mehr.

KfW-Effizienzhaus: Die KfW fördert Bauprojekte, bei denen Bestandsimmobilien besonders energieeffizient werden sollen. Mehr dazu auf der zugehörigen Internetseite

Passivhaus: Ein Passivhaus ist besonders gut gedämmt und hat eine sehr effiziente Wärmeversorgung. Dadurch spart es deutlich Energie gegenüber herkömmlichen Neubauten, gegenüber Altbauten sowieso. Auf der Internetseite von co2online.de können Hauseigentümer einen Modernisierungscheck machen. In Darmstadt sitzt das Passivhaus Institut, das zu diesem Thema viele Informationen online bereithält.
 

Der kleine Unterschied zum Green Building

Wem die Wirtschaftlichkeit und die sozialen Aspekte egal sind, der könnte also statt eines Green Buildings auch ein anderes Haus bauen – ein Passivhaus beispielsweise, oder ein Gebäude, das als Biohaus bezeichnet wird. „Dann liegt der Fokus eben auf der Ökologie“, sagt Michaela Lambertz. „In diesen Fällen ist es zwar oft wichtig, wie viel Energie das Gebäude später verbrauchen wird. Keine Rolle spielt aber, wie viel Energie für den Bau verbraucht wird. Oder: Das Haus ist zwar energieeffizient, aber nicht unbedingt barrierefrei“.

Neu- oder Altbau: Was eher ein Green Building wird

Ist die Entscheidung für ein Green Building gefallen, gibt es zwei unterschiedliche Ausgangssituationen: Der Bauherr hat einen freien Bauplatz und kann ganz frisch planen, was er sich wünscht. Oder: Es existiert schon eine Immobilie. Und man muss jetzt die Entscheidung treffen, zu sanieren oder nach einem Abbruch neu zu bauen. „Wer neu baut, hat natürlich viele Freiheiten“, sagt Michaela Lambertz. „Das ist speziell für die Barrierefreiheit wichtig. Denn eine Bestandsimmobilie barrierefrei zu machen ist oft schwierig“. Nachhaltiger könnte es aber sein, die schon vorhandene Immobilie zu sanieren. „Schließlich wird das, was schon da ist, weitergenutzt“. Wer dann auf natürliche Dämmung setze, auf neue Fenster, auf Bodenbelag aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und auf emissionsarme Farben und Kleber, der könne schon viel erreichen.

„Baut man dann noch eine Fußbodenheizung mit Geothermie ein oder behält die alten Heizkörper, verbindet sie aber mit Solarenergie, dann kann man auch aus einer Bestandsimmobilie ein Green Building machen.“

Michaela Lambertz, Professorin und Bauingenieurin am Institut für Technische Gebäudeausrüstung, Technischen Hochschule Köln

Green Buildings in Köln und Bonn

Wer sich nicht vorstellen kann, wie ein Green Building aussieht, muss nur mit offenen Augen durch Köln oder Bonn gehen. Denn in beiden Städten gibt es einige markante Immobilien, die mit dem Zertifikat Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet sind. Die Gesellschaft setzt sich für „nachhaltig gute Gebäude“ ein, wie sie über sich selbst sagt. Beispielsweise das Hotel Motel One am Waidmarkt ist mit DGNB Gold zertifiziert. 

„Einem Green Building sieht man nicht unbedingt an, welche inneren Werte es hat."

Michaela Lambertz, Professorin und Bauingenieurin am Institut für Technische Gebäudeausrüstung, Technischen Hochschule Köln

„Unsere anderen Häuser in Köln fallen nicht in diese Kategorie“, so Tanja Schilling aus der Pressestelle des Unternehmens. Auch der Lanxess Tower in Deutz hat dieses Zertifikat, das Kranhaus Süd im Kölner Rheinauhafen, die Sparkasse KölnBonn am Bonner Friedensplatz oder die Akademie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Allerdings: Bei einigen der ausgezeichneten Immobilien würde man nicht denken, dass sie ein Green Building sind – also ein Gebäude, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Denn: „Einem Green Building sieht man nicht unbedingt an, welche inneren Werte es hat“, sagt Michaela Lambertz.

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