Kontaktlos bezahlen? Ja, bitte!

Im Supermarkt, an der Tankstelle – selbst in der Bar und in der Bäckerei kann man neuerdings kontaktlos bezahlen. Ein Treiber für die Akzeptanz dieser Bezahlmöglichkeit war sicherlich das Coronavirus: Um die Infektion einzudämmen, sollte vielerorts nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden. Jetzt scheint kontaktloses Bezahlen allen ans Herz gewachsen zu sein.

Juli 2020

Stocksy/MaaHoo Studio

Die Vorteile liegen auf Hand: „Kontaktlos bezahlt man beispielsweise im Supermarkt in unter einer Sekunde“, sagt Andrea Köllen, Sparkassenbetriebswirtin und Expertin für moderne Bezahlmethoden. Schließlich halten die Kunden und Kundinnen die Karte nur noch ans Terminal, das Einstecken der Karte entfällt also komplett, und je nach Höhe der Summe auch die Eingabe der PIN.

Die Technik funktioniert übrigens nur auf einer Distanz von wenigen Zentimetern. Darum muss niemand fürchten, aus Versehen im Vorbeigehen für jemand anders die Rechnung zu bezahlen. Stattdessen verkürzt sich durch das kontaktlose Bezahlen  auch die Wartezeit für alle anderen in der Schlange. „Bequem ist Kartenbezahlung sowieso“, sagt Fachfrau Köllen, „schließlich muss man nicht daran denken, ausreichend Bargeld bei sich haben.“ Hinzu kommt: Viele Menschen empfinden kontaktloses Bezahlen als hygienischer. Denn weder die Angestellten an der Kasse, noch die Kundinnen und Kunden müssen Bargeld anfassen, von dem man nicht weiß, wer es zuvor in der Hand hatte.

Die Sache mit der PIN

Neuerdings können Kunden und Kundinnen in vielen Geschäften sogar Summen bis zu 50 Euro ohne Eingabe der PIN kontaktlos bezahlen. Das hat die Deutsche Kreditwirtschaft im März 2020 im Zuge der Corona-Pandemie beschlossen, um Bezahlvorgänge komfortabler zu machen. Noch haben das jedoch nicht alle umgesetzt.

Doch ob 25 oder 50 Euro: Ab und zu muss jeder, der mit der Girocard kontaktlos bezahlt, seine PIN eingeben – sogar, wenn die entsprechende Grenze nicht erreicht ist. „Üblicherweise wird spätestens nach einer bestimmten Anzahl an Transaktionen oder wenn eine bestimmte Gesamtsumme erreicht ist einmal die PIN verlangt. Wann das der Fall ist, wird über die Hintergrundsysteme gesteuert. In diesen Fällen muss die Karte allerdings in das Kartenlesegerät gesteckt werden," erklärt Andrea Köllen.

Der Grund leuchtet ein: So soll verhindert werden, dass Betrüger ein Konto immer wieder mit Kleinbeträgen unter der vereinbarten Schwelle belasten. Den Kundinnen und Kunden, die bei jeder Bezahlung auch kleinster Beträge die PIN eingeben müssen, rät die Finanzexpertin, einmal damit am Geldautomaten Geld abzuheben. „Dabei werden die Sicherheitsparameter zurückgesetzt. Danach klappt das Bezahlen auch wieder ohne PIN.“

Kontaktlos bezahlen noch bequemer

Noch eine Spur fortschrittlicher bezahlt, wer nicht mehr die Girocard zum Bezahlen vorhält, sondern einfach das Handy oder sogar die Smartwatch. Denn dabei entfällt immer die Eingabe der PIN auf einer Tastatur, die täglich von vielen Menschen angefasst wird. Stattdessen bestätigt man den Kauf auf dem Smartphone mit biometrischen Informationen, nämlich mit dem Fingerabdruck oder einem Scan des Gesichts. „Weil man das Handy in der Regel immer bei sich hat, muss man also nicht einmal mehr eine Karte oder ein Portemonnaie mitnehmen“, sagt Andrea Köllen.

Mobiles oder kontaktloses Bezahlen?

Wer seine Giro- oder Kreditkarte an ein Terminal hält, um zu bezahlen, begleicht die Rechnung kontaktlos. Ob eine Karte dafür geeignet ist, sieht man an den vier größer werdenden Schallwellen auf der Karte, die für NFC stehen, also Near Field Communication oder Nahfeldkommunikation. Das Bezahlen mit dem Smartphone, dem Tablet oder der Smartwatch wird dagegen als „mobiles Bezahlen“ definiert. Dabei ist auf den Geräten in den entsprechenden Programmen die Girokarte oder eine Kreditkarte hinterlegt, über die der ausstehende Betrag vom Konto abgebucht wird. Die Bezahlung erfolgt entweder, indem wie beim kontaktlosen Bezahlen das Gerät an ein Terminal gehalten wird, oder indem innerhalb einer App ein Kauf bestätigt wird. „Mobiles Bezahlen ist also immer auch kontaktlos“, erklärt Andrea Köllen. „Kontaktloses Bezahlen aber nicht zwingend mobil“.

Damit das Smartphone als digitale Geldbörse verwendet werden kann, muss in der Regel in einer speziellen App eine Giro- oder Kreditkarte hinterlegt sein.

Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Von der Sparkasse gibt es für Android-Smartphones die App „Mobiles Bezahlen“. Die App funktioniert mit der Sparkassen-Card, der Sparkassen-Karte Basis oder der Sparkassen-Kreditkarte.
  • Die beiden großen Betriebssystem-Anbieter Google und Apple bieten eigene Bezahlmöglichkeiten an. Wer ein Android-Handys nutzt, bezahlt entsprechend mit Google Pay, bei iPhones heißt die Anwendung Apple-Pay.
  • Gerade Mobilitätsunternehmen wie Taxi-Dienste, die Deutsche Bahn, Verleihfirmen von E-Scootern und Fahrrädern, die Kölner Verkehrsbetriebe oder die Bonner SWB, aber auch viele andere Unternehmen bieten an, dass man die Nutzung oder den Kauf der Produkte direkt über die firmeneigene App bezahlt. Dazu muss dort in der Regel die Kreditkarte hinterlegt sein.
  • BlueCode. Hier wird das Bankkonto direkt in der App hinterlegt. Beim Öffnen der App wird ein einmaliger Barcode erzeugt, der beim Bezahlen eingescannt wird. Damit wird die Berechtigung erteilt, das Geld vom Konto der Einkaufenden einzuziehen. Mit dieser App kann man beispielsweise im Fanshop des 1. FC Köln bezahlen. Aber auch einige Super- und Baumärkte akzeptieren die App bereits. Das Besondere daran: Gutscheine, Stempel- oder Rabattkarten werden automatisch erkannt und führen dementsprechend zu günstigeren Endsummen. Übrigens ist diese App in Österreich deutlich verbreiteter als in Deutschland.

Vorteile des kontaktlosen und mobilen Bezahlens für den Handel

Übrigens: Vom kontaktlosen Bezahlen profitieren nicht nur Käuferinnen und Käufer, sondern auch der Handel. „Dadurch, dass kontaktloses Bezahlen so schnell geht, können mehr Menschen in kürzerer Zeit durch die Kasse geführt werden“, sagt Andrea Köllen. Außerdem müssen die Händler und Händlerinnen so keine Unterschriften für Bezahlungen mit der Karte verlangen und auch nicht die zugehörigen Belege aufbewahren. „Hinzu kommen sinkende Kosten, weil weniger Bargeld anfällt, das beispielsweise zur Bank oder zum Laden transportiert werden muss“, so die Finanzfachfrau. Das erhöht gleichzeitig die Sicherheit, denn wo nicht viel Bargeld im Umlauf ist, lohnen sich Überfälle weniger. Gleichzeitig sinkt die Gefahr, dass mit Falschgeld bezahlt wird.

Bei so vielen Möglichkeiten, kontaktlos oder mobil zu bezahlen, wird manchen Kunden und Kundinnen ganz schwindelig. „Wir würden es natürlich auch im Sinne unserer Kunden begrüßen, wenn eines Tages alle Bezahlmöglichkeiten in einer einzigen App zusammengeführt wären“, sagt Andrea Köllen. Doch ob das jemals der Fall sein wird, ist heute noch nicht abzusehen.

Andrea Köllen, Sparkassenbetriebswirtin und Expertin für moderne Bezahlmethoden

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