Tiere sind die besseren Anleger

 

Der risikoreiche Gepard, der chancenorientierte Mantelpavian oder doch der vorsichtige Panda? Bei einem Besuch des Kölner Zoos können sich Anleger bei einigen Tieren abschauen, wie sie eine kluge Strategie auf der Jagd nach Rendite entwickeln.

Die Geschichte ist legendär: Kurz vor der Jahrtausendwende, als die Börsen im Internetrausch waren, avancierte ein Affe zum Star an der Wall Street. Er hieß Raven, war ein Schimpanse und durfte mit Dartpfeilen auf eine Liste mit Aktiengesellschaften werfen. Die Aktien, die er traf, wurden von den Betreuern gekauft. Erstaunlicherweise entwickelte sich das Depot prächtig. Weit über 200 Prozent Plus machte Raven mit seiner „Pfeilstrategie“ in wenigen Monaten – und blamierte damit fast alle Börsenprofis rund um die New Yorker Börse. Der Schimpanse war am Ende einer der Top-Investoren des Jahres – auch wenn es Zweifel gab, ob wirklich der Affe und nicht doch seine Betreuer die Pfeile geworfen hatten. Forscher haben jedoch das Experiment seitdem mehrfach wiederholt – mit ähnlichem Ergebnis. Vor fünf Jahren zum Beispiel ließ die britische Zeitschrift „The Observer“ eine Katze ihre Spielzeugmaus auf die Namen von börsengelisteten Unternehmen schleudern, die dann in ein fiktives Portfolio genommen wurden. Erneut hatten die Profis gegenüber der Tierwelt, in diesem Fall einem Stubentiger, das Nachsehen.

Anlageentscheidung: Intuitiv oder bewusst?
Sind Tiere also vielleicht bessere Anleger als Menschen? Die Antwort ist eindeutig: ja und nein. Ja, weil sich Kapitalmarktexperten nahezu einig darüber sind, dass die Art und Weise, wie die tierischen Investoren ihre Anlageentscheidung getroffen haben, die richtige ist, denn sie handeln weder aus dem Bauch heraus, noch sind sie der Meinung, dass sie die Sache im Griff haben und schlauer sind als andere Marktteilnehmer. Sie lassen einfach den Zufall entscheiden.  Aber, weil der Mensch im Gegensatz zum Tier Verstand besitzt und dadurch bewusst handelt und mit Plan vorgeht, kann diese Frage auch mit nein beantwortet werden. Allerdings kann ihm genau dieser Verstand auch zum Verhängnis werden. Denn der Homo sapiens besitzt zwar Intelligenz und kann sich Wissen darüber aneignen, wie der Aktienmarkt funktioniert und welche Faktoren die Kurse beeinflussen. Gerade dieses Wissen macht ihn jedoch anfällig für Selbstüberschätzung und Fehlannahmen.

Auf der anderen Seite ist jedes Tier in seinen (Anlage-)Entscheidungen leicht beeinflussbar – durch Futter. Mit einem Leckerchen hätte sich der Ausgang der Experimente leicht beeinflussen lassen, wenn die Initiatoren dies gewollt hätten. Im Zweifel hätte sich Raven eher auf eine gereichte Banane eingelassen als Pfeile zu werfen. „In der freien Wildbahn hätte das allerdings ganz anders ausgesehen. Dort müssen sich Tiere anstrengen, um an Beute beziehungsweise Nahrung zu kommen“, sagt Prof. Theo B. Pagel, Direktor des Kölner Zoos. Dazu entwickeln die meisten eine Strategie, die sowohl ihrem Jagdtypus als auch ihren körperlichen Fähigkeiten entspricht.

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