Mit gutem Gewissen Geld anlegen

Das Thema Umweltschutz ist plötzlich in aller Munde. Auch an den Finanzmärkten liegt das Thema Nachhaltigkeit im Trend. Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten sein Geld nach ökologischen und sozialverträglichen Kriterien anzulegen.

Oktober 2019

Foto: Stocksy/ Martí Sans

Ford – die tun was. Mit diesem Slogan warb der Automobilhersteller, der ein großes Werk in Köln betreibt, lange Zeit für seine Fahrzeuge. Den Werbespruch hat Ford mittlerweile ausrangiert, aber als Motto bestimmt er weiterhin das Handeln des Unternehmens – etwa, wenn es darum geht, die eigene Produktion umweltfreundlicher und energieschonender zu machen. So hat der Konzern vor drei Jahren im Werk Saarlouis eine hocheffiziente, mit Gas betriebene Blockheizkraftwerksanlage gebaut. Sie deckt circa 75 Prozent des Strombedarfs an dem Standort ab. In einem anderen Projekt hat Ford bis ins laufende Jahr hinein die Druckluftversorgung im Werk Niehl komplett erneuert. Diese Maßnahme hat den Energieverbrauch für die Drucklufterzeugung um rund 30 Prozent reduziert.

Immer mehr Firmen beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit

Nur ein Beispiel, das zeigt, wie viele Unternehmen in der Region Köln/Bonn an Maßnahmen arbeiten, um ihre Produktion umweltfreundlicher zu gestalten. Ob große Konzerne wie Rewe oder Ford oder kleine Start-ups – immer mehr Firmen beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit. „Bei etablierten Unternehmen, indem sie versuchen, das Thema in ihre Geschäftsprozesse oder Lieferketten zu integrieren, bei vielen Start-ups, die Nachhaltigkeit zu ihrer Unternehmensphilosophie erklären oder als Geschäftsmodell direkt umsetzen“, beobachtet Michael Pieck, Pressesprecher bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.
Ein Grund für diesen Trend: der fortschreitende Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit. Sie erfordern in vielen Bereichen nachhaltige, zukunftsgerechte Lösungen. Firmen, die ihre Prozesse effizienter und damit energie- und ressourcenschonender machen, sichern sich auf lange Sicht Kostenvorteile – etwa wenn die Energiepreise noch weiter steigen. „Unternehmen, die für solche und andere Herausforderungen die passenden Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, haben die Chance, Wachstumsmärkte zu erschließen und Wettbewerbsvorteile zu erlangen“, sagt Christoph Groß, Nachhaltigkeitsexperte und Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft LBBW Asset Management.

Investoren und Geldgeber verlangen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Projekte

Doch es gibt noch einen anderen Grund für den Trend in Richtung mehr Nachhaltigkeit. Investoren und Geldgeber machen zunehmend Druck. Sie verlangen immer öfter, dass die Projekte und die Firmen, die sie finanzieren, auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind – sonst gibt es kein Geld. Betroffen davon sind bislang vor allem Unternehmen, die am Kapitalmarkt Gelder aufnehmen, indem sie Aktien oder Anleihen ausgeben. Damit die Anleger zugreifen, müssen sie zunehmend „grün“ sein.

Der Markt für Anlagen, die ethischen, umwelt- und sozialverträglichen Standards entsprechen, boomt. Nach Angaben des Forums Nachhaltiger Geldanlagen waren allein in Deutschland im vergangenen Jahr 1,53 Billionen Euro in sogenannten ESG-Anlagen (siehe Kasten) investiert. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs von knapp 10 Prozent. Allein bei den rein nachhaltigen Investments, die 219 Milliarden Euro ausmachten, lag der Zuwachs bei knapp 29 Prozent.

Was ist ESG?

Wenn es um nachhaltige Geldanlagen geht, kommt fast automatisch die Abkürzung ESG ins Spiel. Die Abkürzung steht für die englischen Begriffe „environment“, „social“ und „governance“ – frei übersetzt: umweltverträglich, sozialverträglich und verantwortungsbewusst. Das Konzept, mit diesen drei Kriterien nachhaltige Geldanlagen zu beschreiben, ist mittlerweile fest etabliert. ESG bestimmt das Investmentverhalten von immer mehr institutionellen Großinvestoren. Sie halten weltweit aktuell etwa 90 Prozent aller nachhaltigen Anlagen. 
 

„Nachhaltige Investments bieten aber auch Privatanlegern in doppeltem Sinne einen Mehrwert.“

 Holger Horstmann, Sparkasse KölnBonn

Getragen wird der Aufwärtstrend ganz wesentlich von Großinvestoren und hochvermögenden Anlegern. „Nachhaltige Investments bieten aber auch Privatanlegern in doppeltem Sinne einen Mehrwert“, sagt Holger Horstmann von der Sparkasse KölnBonn. „Wer nachhaltig investiert, trägt zum einen zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft, zu einem respektvollen Umgang mit der Umwelt und zur verantwortungsvollen Führung von Unternehmen bei. Privatanleger haben mit nachhaltigen Investments zum anderen die Aussicht auf interessante Renditen.“

Anleger orientieren sich um

Ein Blick in Richtung Politik erklärt, warum das so ist. Im Klimaabkommen von Paris aus dem Jahre 2015 haben sich mittlerweile 195 Länder dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen nachhaltig zu reduzieren. So soll der Anstieg der globalen Temperatur auf zwei Grad Celsius begrenzt werden. Folge: Fast jedes Land weltweit versucht, den Klimawandel auf die eine oder andere Weise anzugehen. Gleichzeitig beginnen immer mehr Anleger sich umzuorientieren und die Auswirkungen von Umweltaspekten und gesellschaftlichen Entwicklungen auf ihre Investments zu bestimmen. „Fast jeder Aspekt eines Portfolios ist durch diese Entwicklung betroffen – von den Renditeerwartungen bis hin zu den Risikoquellen“, sagt Yvette Klevan, Portfoliomanagerin beim US-Vermögensverwalter Lazard Asset Management. 

Zusätzlichen Rückenwind bekommen ESG-Investments von der Europäischen Union (EU). Die EU-Kommission will mit einer Reihe von Maßnahmen dafür sorgen, dass Nachhaltigkeitsthemen bei der Geldanlage stärker berücksichtigt werden. Die Idee dahinter: Damit die EU ihre Klima- und Energieziele bis 2030 erreichen kann, müssten 180 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich investiert werden. Verschiedene Gesetzgebungsinitiativen sollen helfen, das Geld dafür zusammenzubekommen. So will die EU unter anderem Standards für „grüne“ Anleihen, sogenannte Green Bonds, entwickeln und Unternehmenslenker verpflichten, eine konkrete Nachhaltigkeitsstrategie für ihr Unternehmen zu formulieren.

Vermögensexperten warnen jedoch, dass es der Gesetzgeber übertreiben könnte und dem Boom nachhaltiger Investments ein Dämpfer droht. So etwa Michael Reuss, geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München: „Aus unserer Sicht ist Skepsis angebracht. Denn es ist zu befürchten, dass ein neues Bürokratiemonster entsteht, welches den Spielraum einer verantwortungsvollen Kapitalanlage immer weiter einengt und ad absurdum führt.“
 

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