Die digitale Welt im Depot 

Die Digitalisierung krempelt nicht nur unseren Alltag, sondern zunehmend die gesamte Wirtschaft um. Warum Anleger den Technologietrend nicht verpassen sollten.

Februar 2020

Credit: Stocksy/Colin Anderson

Wenn sich Dr. Klaus Mangold morgens von seinem Handy wecken lässt, läuft der Kaffee schon durch die Maschine und Bad und Küche sind bereits aufgeheizt. Beim Verlassen der Dusche wartet dann ein humanoider Roboter, eine Maschine in Menschengestalt, auf den Orthopäden, um ihm das Handtuch und seine Kleidung zu reichen. Der Roboter ist es auch, der die Wohnung putzt und das Geschirr wegräumt, wenn Mangold das Haus in Richtung seiner Praxis verlässt. Sein E-Mobil wartet bereits an der Auffahrt auf ihn und fährt ihn selbstständig ins Stadtzentrum.

Auf dem Weg dorthin kann der Arzt somit Emails beantworten und sich auf seine ersten Patienten vorbereiten. Die Daten dafür bekommt er auf ein separates Display im Wagen angezeigt. Am Mittag nimmt Mangold per Videokonferenz an der Hüft-OP eines seiner Patienten in der nahegelegenen Klinik teil und dirigiert zusammen mit dem Kollegen vor Ort den Roboter, der die OP ausführt. Ein Diagnosesystem, das auf Künstlicher Intelligenz basiert, assistiert ihm dabei. Am Nachmittag dann hat Mangold seine Video-Sprechstunde, in die Patienten kommen können, die weiter weg wohnen oder gesundheitlich bedingt nicht in der Lage sind, persönlich in der Praxis zu erscheinen. Zum Abend hin hat eine Software bereits eigenständig die Termine für den nächsten Tag organisiert.

Am Display informiert sie den Facharzt über die wesentlichen Punkte. Weil die KI weiß, dass der Klassikfan nach Dienstschluss gerne in Konzerte geht, hat sie eine Karte für den Abend organisiert, das Ticket im Smartphone hinterlegt und das E-Mobil, das pünktlich vor dem Aufzug in der Tiefgarage wartet, mit den Koordinaten für die Fahrt versorgt.

Zugegeben – noch ist solch ein Tagesablauf eine digitale Zukunftsversion. Doch viele Teile davon existieren bereits und werden von den Menschen in ihrem Alltag genutzt. Denn schon längst kommunizieren Maschinen eigenständig miteinander und steuert Künstliche Intelligenz komplexe Prozesse. Dabei sind die Anwendungsmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz nach Einschätzung von Experten erst zu einem Bruchteil ausgeschöpft. So helfen Algorithmen Personalexperten bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern und Ärzten bei der Auswertung von Röntgenaufnahmen, künstliche Intelligenz steuert Roboter, die den Menschen Alltagsaufgaben abnehmen, und sie ermöglicht autonomes Fahren. Spezielle Farming-Programme helfen Landwirten, Äcker zentimetergenau zu bewirtschaften, um damit ihre Erträge zu steigern und somit etwas gegen den Hunger in der Welt zu tun.

„Das Thema Künstliche Intelligenz wird im Bereich der Technologie und Digitalisierung sicherlich ein Mega-Trend über die kommenden Jahre hinweg."

Bernd Köcher, Portfoliomanager des Deka-Industrie 4.0

An der Börse gehören Technologieaktien bereits seit Jahren zu den Überfliegern – allen voran die drei großen A’s: Alphabet, Apple und Amazon. Beispiel: Amazon. Wer online ein Produkt sucht und bestellen will, kommt mittlerweile kaum an dem Betreiber der Plattform vorbei. Von dem Aufstieg haben auch Anleger profitiert. Wer im Jahr 1997 zum Börsengang 1.000 Dollar in Aktien des Konzerns aus Seattle investiert hat, ist heute angehender Millionär.

„Unternehmen mit strukturell wachsenden Geschäftsmodellen im Bereich von Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Automatisierung oder autonomem Fahren dürften weiterhin die Chance haben, sich besser als der Gesamtmarkt zu entwickeln.“

Bernd Köcher, Portfoliomanager des Deka-Industrie 4.0

Die Aussichten, dass der Höhenflug der Technologie-Aktien anhält, sind gut. „Unternehmen mit strukturell wachsenden Geschäftsmodellen im Bereich von Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Automatisierung oder autonomem Fahren dürften weiterhin die Chance haben, sich besser als der Gesamtmarkt zu entwickeln“, glaubt Köcher. Bleibt es bei niedrigen Zinsen und stabilisiert sich die Weltwirtschaft, gehören Aktien, die auf digitale Zukunftsthemen setzen, nach Einschätzung vieler Vermögensverwalter zu den Gewinnern im Depot.

Allerdings kommt es wie generell an der Aktienbörse darauf an, die chancenreichsten Titel aus der großen Zahl von Internet- und Computerunternehmen herauszufiltern und richtig zu mischen. Um die zu finden, sollten sich Anleger eingehend mit den jeweiligen Geschäftsmodellen beschäftigen. So gibt es auf der einen Seite die Hersteller von Soft- und Hardware, die damit Unternehmen ausrüsten, die auf der anderen Seite zum Beispiel bestimmte Services im Internet anbieten – ein Beispiel sind Preissuchmaschinen – oder die wie etwa Alibaba oder Amazon Online-Handelsplattformen betreiben. 

Experten sind sich einig, dass es Firmen mit dem Abklatsch eines etablierten Geschäftsmodells schwer haben werden, sich zu behaupten. Der Markt für Partnervermittlungsplattformen zum Beispiel gilt mittlerweile als ausgereizt.
„Wir schauen uns unter anderem Firmen an, die sich umbauen in Richtung wiederkehrende Umsätze“, beschreibt Deka-Experte Köcher seine Strategie, „die also das klassische Konzept ‚Ich verkaufe ein Produkt und sehe den Kunden nie oder höchstens für ein Update beziehungsweise eine Wartung wieder‘ aufbrechen in Richtung eines Abo-Modells – was gerade für Softwareunternehmen sehr profitabel ist.“

Bei den großen US-Aktienindizes zeigte der Kurstrend in den vergangenen Monaten zwar durchweg nach oben. Doch die Konjunkturaussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft sind nicht mehr so rosig wie noch vor einem Jahr. Daran ändert auch der vereinbarte Friede im Handelsstreit mit China, den US-Präsident vor wenigen Wochen verkündete. Viele Anlageexperten rechnen daher damit, dass es in diesem Jahr nicht immer weiter schnurstraks nach oben geht an den US-Börsen wie bisher. Das könnte vor allem die Aktien aus dem Technologiebereich treffen. Viele von ihnen sind mittlerweile ausgesprochen hoch bewertet. Das macht diese Titel anfällig für Kurseinbrüche.

„Firmen, die die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 vorantreiben und dort gut aufgestellt sind, haben ein überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum – und das bekomme ich nicht umsonst am Markt."

Bernd Köcher, Portfoliomanager des Deka-Industrie 4.0

FinTech-Wachstum verlangsamt sich

Die Zahl der FinTechs in Deutschland zeigt Ansätze, sich nach einem stürmischen Wachstum zu stabilisieren: Nach einer Studie der Unternehmensberatung EY (früher Ernst & Young) gab es im ersten Halbjahr 2018 nur sechs Neugründungen, 22 im Gesamtjahr zuvor. Unter Berücksichtigung von gescheiterten Geschäftsmodellen wuchs der Gesamtmarkt laut dem Report „Germany FinTech Landscape 2018“ damit nur um zwei Unternehmen auf 303 FinTechs. Die Investitionen in junge Technologieunternehmen aus der Finanzbranche beziffert EY für das Gesamtjahr auf rund 635 Millionen Euro.

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